Bistum

Lobpreisabend mit Pater Emmanuel

Redaktion am 06.10.2025

Info Icon Bild: Lobpreiskirche / Bearbeitung pbp

Mit „Herr, stärke unseren Glauben!“ war der Impuls von Pater Emmanuel beim Lobpreisabend (04. Oktober) in der Lobpreiskirche in Passau Neustift überschrieben. Hier der Text zum Nachlesen.

Herr, stär­ke unse­ren Glauben!“

Kein lan­ges Gebet. Kein kunst­vol­ler Satz.

Aber ein ech­tes Her­zens­ge­bet. Und viel­leicht ist genau das das Gebet, das wir heu­te am meis­ten brauchen.

Herr, wenn unser Glau­be schwach erscheint oder klein, erin­ne­re uns dar­an, dass ein Senf­korn genügt, um Ber­ge zu ver­set­zen. Leh­re uns, Dir zu ver­trau­en, Dich zu lie­ben und im Gebet auf Dei­ne Nähe zu bauen. 

Lie­be Lob­preis Gemein­de, lie­be Schwes­tern und Brü­der im Glauben,

Der Glau­be an Gott ist nicht immer laut oder über­wäl­ti­gend. Oft ist er lei­se, tas­tend und klein – kaum greif­bar, und doch tief ver­wur­zelt. In einer Welt vol­ler Zwei­fel, Kon­flik­te und Unsi­cher­hei­ten scheint ein star­ker Glau­be schwer fass­bar. Doch schon ein Fun­ke Ver­trau­en, ein schlich­tes Ich glau­be“, kann eine kraft­vol­le Wir­kung ent­fal­ten. Es geht nicht um die Grö­ße unse­res Glau­bens, son­dern dar­um, wem wir die­sen Glau­ben schen­ken. Jesus selbst spricht davon, dass ein Glau­be, so klein wie ein Senf­korn, genü­gen kann. 

Las­sen Sie mich mit einer Geschich­te beginnen.

Die Toch­ter eines alten, kran­ken Man­nes bat den Pfar­rer, zu kom­men und mit ihrem Vater zu beten. Als der Pfar­rer ankam, fand er den Mann im Bett lie­gend, mit zwei Kis­sen unter dem Kopf – und einem lee­ren Stuhl neben dem Bett.

Der Pfar­rer dach­te, der Mann hät­te den Stuhl für ihn vorbereitet.

Ah“, sag­te er, ich sehe, Sie haben schon mit mir gerechnet.“

Der alte Mann ant­wor­te­te: Nein, ich wuss­te gar nicht, dass Sie kommen.“

Ver­wun­dert blick­te der Pfar­rer ihn an.

Der Mann lächel­te und sag­te: Wür­den Sie bit­te die Tür schließen?“

Dann ver­trau­te er dem Pfar­rer etwas an, das er noch nie­mals jeman­dem erzählt hat­te – nicht ein­mal sei­ner Tochter.

Wis­sen Sie“, sag­te er, mein gan­zes Leben lang wuss­te ich nicht, wie man betet. In der Kir­che hör­te ich immer den Pfar­rer über das Gebet spre­chen, aber ich ver­stand es nie rich­tig. Irgend­wann habe ich ganz damit aufgehört.“

Doch vor vier Jah­ren sag­te ein guter Freund zu mir:

Mar­tin, Beten ist nichts ande­res, als mit Jesus zu spre­chen. Stell Dir ein­fach vor, Jesus sitzt auf einem Stuhl vor Dir. Du setzt Dich ihm gegen­über und redest mit Ihm – so wie du gera­de mit mir sprichst. Es ist nicht selt­sam, denn Jesus hat gesagt: Ich bin bei euch alle Tage.‘“

Seit­dem mache ich das jeden Tag – ein paar Stun­den lang. Ich spre­che ein­fach mit Jesus. Ich lie­be es. Aber ich habe es nie­man­dem erzählt. Wenn mei­ne Toch­ter mich dabei sehen wür­de, wie ich mit einem lee­ren Stuhl rede, wür­de sie den­ken, ich gehö­re in die Psychiatrie.“

Der Pfar­rer war tief berührt, bete­te mit dem Mann, salb­te ihn und ver­ab­schie­de­te sich. Zwei Tage spä­ter rief die Toch­ter den Pfar­rer an. Ihr Vater sei gestorben.

Ist er in Frie­den gestor­ben?“, frag­te der Pfarrer.

Ja“, sag­te sie. Er hat mir noch gesagt, dass er mich liebt, und mich auf die Wan­ge geküsst. Doch als ich spä­ter vom Ein­kau­fen zurück­kam, war er gestor­ben. Und etwas war selt­sam: Er hat­te sei­nen Kopf auf den Stuhl neben dem Bett gelegt… Was hal­ten Sie davon?“

Der Pfar­rer wisch­te sich eine Trä­ne aus dem Auge und sagte:

Ich wünsch­te, wir alle könn­ten so sterben.“

Ja lie­be Schwes­tern und Brüder,

Der alte Mann hat­te kei­nen theo­lo­gi­schen Dok­tor­ti­tel. Er konn­te viel­leicht kei­ne lit­ur­gi­schen Gebe­te aus­wen­dig. Aber er hat­te etwas, das Jesus im heu­ti­gen Evan­ge­li­um beschreibt:

Wenn euer Glau­be auch nur so groß wäre wie ein Senf­korn…“ Ein Senf­korn – win­zig klein, leicht zu übersehen.

Aber Jesus sagt: Das genügt.

Glau­be muss nicht groß sein, um echt zu sein. Er muss nur leben­dig sein. Er muss vertrauen.

Stär­ke unse­ren Glau­ben“ – ein Gebet, das wir alle kennen

Die Apos­tel fühl­ten sich über­for­dert. Jesus hat­te sie auf­ge­for­dert, immer wie­der zu ver­ge­ben, demü­tig zu die­nen und ganz auf Gott zu ver­trau­en. Das war nicht leicht.

Und sie sag­ten: Herr, stär­ke unse­ren Glau­ben!“ Ken­nen wir das nicht auch?

Wenn eine Dia­gno­se unser Leben erschüttert

Wenn wir die Arbeit verlieren

Wenn ein Kind vom Glau­ben abkommt

Wenn unse­re Gebe­te unbe­ant­wor­tet bleiben

Wenn die Welt um uns her­um chao­tisch erscheint

Dann beten wir – oft nicht mit schö­nen Wor­ten, son­dern mit gebrochenen:

Herr, stär­ke mei­nen Glau­ben. Hilf mir zu vertrauen.“

Glau­be heißt Ver­trau­en – nicht nur Wissen

Der Mann in der Geschich­te hat­te Ver­trau­en. Kein spek­ta­ku­lä­rer Glau­be. Aber ein ein­fa­ches, tie­fes Ver­trau­en, dass Jesus wirk­lich da ist. Das ist Glau­be. Nicht nur an Gott zu glau­ben – son­dern Gott zu vertrauen.

Nicht alles ver­ste­hen. Son­dern sich anleh­nen – wie ein Kind am Schoß des Vaters.

Wie kann unser Glau­be wachsen?

1.Glaube wächst in Bezie­hung, nicht durch Regeln

Der Mann in der Geschich­te hat nicht durch ein Gebets­buch beten gelernt – son­dern durch eine per­sön­li­che Beziehung.

Wenn dir dein Glau­be schwach vor­kommt, fang ein­fach an.

Sprich mit Jesus, wie mit einem Freund. Denn Er ist da.

2.Glaube wächst im Verborgenen

Ein Same wächst im Dun­keln. Oft mer­ken wir gar nicht, wie sehr unser Glau­be wächst – gera­de in schwe­ren Zeiten.

Wenn du trotz­dem betest, trotz­dem ver­traust, trotz­dem gehst – wächst dein Glau­be, auch wenn du es noch nicht siehst.

3.Glaube wächst durch geleb­te Liebe

Jesus erzählt im Evan­ge­li­um vom demü­ti­gen Knecht, der ein­fach sei­nen Dienst tut – ohne Dank zu erwarten.

War­um?

Weil ech­ter Glau­be nicht nur Gefühl ist, son­dern Tat.

Wenn du ver­gibst, auch wenn es schwer­fällt – wächst dein Glaube.

Wenn du betest, obwohl du Gott nicht spürst – wächst dein Glaube.

Wenn du dienst, ohne Lob zu erwar­ten – wächst dein Glaube.

Zum Schluss: Der Kopf auf dem Stuhl. 

Ich fra­ge mich, wie die letz­ten Momen­te die­ses Man­nes wohl waren.

War er ängstlich?

Hat­te er Schmerzen?

Oder hat er sich ein­fach zur Sei­te gelehnt, sei­nen Kopf auf den lee­ren“ Stuhl gelegt und gesagt:

Jesus, ich ver­traue Dir. Ich bin bereit.“

Das ist der Glau­be, den ich mir wünsche.

Nicht per­fek­ter Glau­be. Nicht lau­ter Glaube.

Son­dern Glau­be, der ruht. Glau­be, der sich anvertraut.

Ich möch­te mit einem Gebet schließen:

Herr, wir sind wie die Apos­tel. Und wir sind wie die­ser alte Mann. Wir wol­len glau­ben. Wir wol­len ver­trau­en. Aber oft füh­len wir uns klein und schwach. Doch wir brin­gen Dir, was wir haben – auch wenn es nur ein Senf­korn ist. Stär­ke unse­ren Glau­ben. Leh­re uns, unse­ren Kopf auf Dei­ne Gegen­wart zu legen – wie ein Kind im Arm sei­nes Vaters. Amen.

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