„Herr, stärke unseren Glauben!“
Kein langes Gebet. Kein kunstvoller Satz.
Aber ein echtes Herzensgebet. Und vielleicht ist genau das das Gebet, das wir heute am meisten brauchen.
Herr, wenn unser Glaube schwach erscheint oder klein, erinnere uns daran, dass ein Senfkorn genügt, um Berge zu versetzen. Lehre uns, Dir zu vertrauen, Dich zu lieben und im Gebet auf Deine Nähe zu bauen.
Liebe Lobpreis Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder im Glauben,
Der Glaube an Gott ist nicht immer laut oder überwältigend. Oft ist er leise, tastend und klein – kaum greifbar, und doch tief verwurzelt. In einer Welt voller Zweifel, Konflikte und Unsicherheiten scheint ein starker Glaube schwer fassbar. Doch schon ein Funke Vertrauen, ein schlichtes „Ich glaube“, kann eine kraftvolle Wirkung entfalten. Es geht nicht um die Größe unseres Glaubens, sondern darum, wem wir diesen Glauben schenken. Jesus selbst spricht davon, dass ein Glaube, so klein wie ein Senfkorn, genügen kann.
Lassen Sie mich mit einer Geschichte beginnen.
Die Tochter eines alten, kranken Mannes bat den Pfarrer, zu kommen und mit ihrem Vater zu beten. Als der Pfarrer ankam, fand er den Mann im Bett liegend, mit zwei Kissen unter dem Kopf – und einem leeren Stuhl neben dem Bett.
Der Pfarrer dachte, der Mann hätte den Stuhl für ihn vorbereitet.
„Ah“, sagte er, „ich sehe, Sie haben schon mit mir gerechnet.“
Der alte Mann antwortete: „Nein, ich wusste gar nicht, dass Sie kommen.“
Verwundert blickte der Pfarrer ihn an.
Der Mann lächelte und sagte: „Würden Sie bitte die Tür schließen?“
Dann vertraute er dem Pfarrer etwas an, das er noch niemals jemandem erzählt hatte – nicht einmal seiner Tochter.
„Wissen Sie“, sagte er, „mein ganzes Leben lang wusste ich nicht, wie man betet. In der Kirche hörte ich immer den Pfarrer über das Gebet sprechen, aber ich verstand es nie richtig. Irgendwann habe ich ganz damit aufgehört.“
„Doch vor vier Jahren sagte ein guter Freund zu mir:
‚Martin, Beten ist nichts anderes, als mit Jesus zu sprechen. Stell Dir einfach vor, Jesus sitzt auf einem Stuhl vor Dir. Du setzt Dich ihm gegenüber und redest mit Ihm – so wie du gerade mit mir sprichst. Es ist nicht seltsam, denn Jesus hat gesagt: Ich bin bei euch alle Tage.‘“
„Seitdem mache ich das jeden Tag – ein paar Stunden lang. Ich spreche einfach mit Jesus. Ich liebe es. Aber ich habe es niemandem erzählt. Wenn meine Tochter mich dabei sehen würde, wie ich mit einem leeren Stuhl rede, würde sie denken, ich gehöre in die Psychiatrie.“
Der Pfarrer war tief berührt, betete mit dem Mann, salbte ihn und verabschiedete sich. Zwei Tage später rief die Tochter den Pfarrer an. Ihr Vater sei gestorben.
„Ist er in Frieden gestorben?“, fragte der Pfarrer.
„Ja“, sagte sie. „Er hat mir noch gesagt, dass er mich liebt, und mich auf die Wange geküsst. Doch als ich später vom Einkaufen zurückkam, war er gestorben. Und etwas war seltsam: Er hatte seinen Kopf auf den Stuhl neben dem Bett gelegt… Was halten Sie davon?“
Der Pfarrer wischte sich eine Träne aus dem Auge und sagte:
„Ich wünschte, wir alle könnten so sterben.“
Ja liebe Schwestern und Brüder,
Der alte Mann hatte keinen theologischen Doktortitel. Er konnte vielleicht keine liturgischen Gebete auswendig. Aber er hatte etwas, das Jesus im heutigen Evangelium beschreibt:
„Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn…“ Ein Senfkorn – winzig klein, leicht zu übersehen.
Aber Jesus sagt: Das genügt.
Glaube muss nicht groß sein, um echt zu sein. Er muss nur lebendig sein. Er muss vertrauen.
„Stärke unseren Glauben“ – ein Gebet, das wir alle kennen
Die Apostel fühlten sich überfordert. Jesus hatte sie aufgefordert, immer wieder zu vergeben, demütig zu dienen und ganz auf Gott zu vertrauen. Das war nicht leicht.
Und sie sagten: „Herr, stärke unseren Glauben!“ Kennen wir das nicht auch?
Wenn eine Diagnose unser Leben erschüttert
Wenn wir die Arbeit verlieren
Wenn ein Kind vom Glauben abkommt
Wenn unsere Gebete unbeantwortet bleiben
Wenn die Welt um uns herum chaotisch erscheint
Dann beten wir – oft nicht mit schönen Worten, sondern mit gebrochenen:
„Herr, stärke meinen Glauben. Hilf mir zu vertrauen.“
Glaube heißt Vertrauen – nicht nur Wissen
Der Mann in der Geschichte hatte Vertrauen. Kein spektakulärer Glaube. Aber ein einfaches, tiefes Vertrauen, dass Jesus wirklich da ist. Das ist Glaube. Nicht nur an Gott zu glauben – sondern Gott zu vertrauen.
Nicht alles verstehen. Sondern sich anlehnen – wie ein Kind am Schoß des Vaters.
Wie kann unser Glaube wachsen?
1.Glaube wächst in Beziehung, nicht durch Regeln
Der Mann in der Geschichte hat nicht durch ein Gebetsbuch beten gelernt – sondern durch eine persönliche Beziehung.
Wenn dir dein Glaube schwach vorkommt, fang einfach an.
Sprich mit Jesus, wie mit einem Freund. Denn Er ist da.
2.Glaube wächst im Verborgenen
Ein Same wächst im Dunkeln. Oft merken wir gar nicht, wie sehr unser Glaube wächst – gerade in schweren Zeiten.
Wenn du trotzdem betest, trotzdem vertraust, trotzdem gehst – wächst dein Glaube, auch wenn du es noch nicht siehst.
3.Glaube wächst durch gelebte Liebe
Jesus erzählt im Evangelium vom demütigen Knecht, der einfach seinen Dienst tut – ohne Dank zu erwarten.
Warum?
Weil echter Glaube nicht nur Gefühl ist, sondern Tat.
Wenn du vergibst, auch wenn es schwerfällt – wächst dein Glaube.
Wenn du betest, obwohl du Gott nicht spürst – wächst dein Glaube.
Wenn du dienst, ohne Lob zu erwarten – wächst dein Glaube.
Zum Schluss: Der Kopf auf dem Stuhl.
Ich frage mich, wie die letzten Momente dieses Mannes wohl waren.
War er ängstlich?
Hatte er Schmerzen?
Oder hat er sich einfach zur Seite gelehnt, seinen Kopf auf den „leeren“ Stuhl gelegt und gesagt:
„Jesus, ich vertraue Dir. Ich bin bereit.“
Das ist der Glaube, den ich mir wünsche.
Nicht perfekter Glaube. Nicht lauter Glaube.
Sondern Glaube, der ruht. Glaube, der sich anvertraut.
Ich möchte mit einem Gebet schließen:
Herr, wir sind wie die Apostel. Und wir sind wie dieser alte Mann. Wir wollen glauben. Wir wollen vertrauen. Aber oft fühlen wir uns klein und schwach. Doch wir bringen Dir, was wir haben – auch wenn es nur ein Senfkorn ist. Stärke unseren Glauben. Lehre uns, unseren Kopf auf Deine Gegenwart zu legen – wie ein Kind im Arm seines Vaters. Amen.



