Glaube und Gemeinschaft

Lobpreisabend im Februar

Redaktion am 24.02.2026

Info Icon Foto: S. Würfl

Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einer Feier, vielleicht eine Weihnachtsfeier, wie sie viele von Ihnen kennen. Ein Kollege oder eine Kollegin, von dem Sie wissen, dass er oder sie nicht so viel mit dem Glauben zu tun hat, kommt auf Sie zu und fragt: „Hey, ich habe gesehen, dass du ein Kreuz um den Hals trägst. Glaubst du wirklich daran?“ Wie würden Sie reagieren? Instinktiv? 

Vor eini­gen Jah­ren hät­te ich wahr­schein­lich gesagt: Ja, schon irgend­wie…“ und das The­ma schnell gewech­selt. Heu­te wür­de ich viel­leicht etwas muti­ger sein, ein wenig von mir und mei­nem Leben erzäh­len. Aber selbst dann denkt man im Hin­ter­kopf: Ach, das inter­es­siert doch eh niemanden.“

Oder stel­len Sie sich eine ande­re Situa­ti­on vor: Viel­leicht haben Sie vie­le christ­li­che Din­ge zu Hau­se – ein Kreuz, ein Bild, das Ihnen frü­her viel bedeu­tet hat, viel­leicht eine Mari­en­sta­tue oder sogar eine klei­ne Gebets­ecke. Ein Frem­der, ein Hand­wer­ker oder Tech­ni­ker, der nur sei­ne Arbeit tun soll, kommt in Ihre Räu­me. Sie haben viel­leicht ein mul­mi­ges Gefühl: Was, wenn er all die­se Din­ge sieht? Und dann fragt er tat­säch­lich: Sind Sie etwa Christ?“ Wie reagie­ren wir in sol­chen Momen­ten? Unsi­cher­heit, Scham, Stolz? Ich ertap­pe mich oft dabei, dass ich mich für mei­nen Glau­ben schä­me. Die Zah­len der Kir­chen­mit­glie­der sin­ken, Skan­da­le erschüt­tern die Glaub­wür­dig­keit der Kir­che, und die Welt schreit nach Frei­heit von alten Tra­di­tio­nen, nach Unter­hal­tung, nach schnel­len Lösun­gen. Und dann gibt es da noch Men­schen wie uns, die etwas tun, das für vie­le alt­mo­disch oder lang­wei­lig wirkt: in die Mes­se gehen, kirch­li­che Regeln ein­hal­ten, viel­leicht aus Tra­di­ti­on oder Gewohn­heit. Da fragt man sich: Hat unser Glau­be heu­te noch etwas zu bieten?

Mei­ne The­se ist: Gott traut uns mehr zu, als wir den­ken. Und wie kom­me ich dar­auf? Ein Blick ins Evan­ge­li­um hilft: Mat­thä­us 5,1316. Dort heißt es: Ihr seid das Salz der Erde und das Licht der Welt.“ Auf den ers­ten Blick ein­fach, aber die­se Wor­te tra­gen eine tie­fe Bot­schaft in sich. Jesus sagt nicht Ihr sollt sein wie Salz“ oder Ihr sollt leuch­ten“. Nein, er sagt: Ihr seid das Salz der Erde und das Licht der Welt.“ Es geht nicht pri­mär um unser Tun, nicht um Leis­tung, son­dern um unser Sein. In einer Welt, die von Leis­tung und Pro­duk­ti­vi­tät geprägt ist, ver­ges­sen wir oft, dass Wir­kung nicht zuerst aus dem Tun ent­steht, son­dern aus unse­rer Iden­ti­tät. Bevor Gott etwas von uns ver­langt, sagt er uns zuerst, wer wir sind. Wir sind Salz und Licht, nicht weil wir es leis­ten, son­dern weil es Teil unse­rer Iden­ti­tät ist. Die­se Iden­ti­tät hat Kraft und Wirkung.

Die Kir­che exis­tiert nicht um ihrer selbst wil­len, son­dern sie ist ihrem Wesen nach mis­sio­na­risch. Gott ist ein mis­sio­na­ri­scher Gott – die Kir­che folgt sei­nem Vor­bild. Unser Sein ist daher ein Geschenk, aus dem alles Wei­te­re ent­steht. Wer wir sind, ent­fal­tet Wir­kung – in klei­nen Momen­ten genau­so wie im gro­ßen Kon­text. Salz ist in der Bibel kein blo­ßes Würz­mit­tel. Es ist lebens­not­wen­dig, es kon­ser­viert, es macht den Unter­schied zwi­schen fadem und vol­lem Aro­ma. Salz dient nicht zum Selbst­zweck, son­dern zur Wir­kung auf ande­re. Ohne Salz wäre die Welt geschmack­los und unge­nieß­bar. Ohne Licht wäre es dun­kel, unüber­sicht­lich, gefähr­lich. Jesus wählt offen­sicht­lich etwas Gutes und Essen­ti­el­les als Bild­wort aus. Salz und Licht sind nicht neben­säch­lich. Die Welt braucht uns, unse­re Prä­senz, unse­ren Glau­ben. Sie braucht Men­schen, die sicht­bar machen, dass Lie­be, Gerech­tig­keit und Barm­her­zig­keit mehr sind als abs­trak­te Begrif­fe. Nicht unter den Schef­fel stel­len“ bedeu­tet: Las­sen wir unser Licht leuch­ten. Unse­re guten Taten, unser geleb­ter Glau­be, unser All­tag sol­len sicht­bar sein – nicht, um uns selbst zu erhö­hen, son­dern damit die Welt erhellt wird. Mat­thä­us 28 erin­nert uns dar­an: Geht hin in alle Welt!“ – nicht, weil wir uns anstren­gen müs­sen, son­dern weil wir sein dür­fen, was wir sind.

Wir schä­men uns oft für unse­ren Glau­ben. Aber Scham blo­ckiert. Sie hin­dert uns dar­an, das Salz zu sein, das der Welt fehlt, das Licht, dass das Dun­kel erhellt. Viel­leicht trau­en wir Gott nicht genug zu, dass er wirk­lich durch uns wirkt. Christ­sein bedeu­tet nicht, per­fekt zu sein oder alle Ant­wor­ten zu haben. Es bedeu­tet, authen­tisch zu leben, mit den Früch­ten des Geis­tes, die Pau­lus in Gala­ter 5,22 beschreibt: Lie­be, Freu­de, Frie­den, Geduld, Freund­lich­keit, Güte, Treue, Sanft­mut und Selbst­be­herr­schung. Die­se Früch­te sind sicht­bar, spür­bar und wirk­sam, weil sie echt sind.

Aber wir Chris­ten haben noch viel mehr zu tei­len. Wir sind erlöst, befreit von Schuld, von Las­ten, die uns erdrü­cken. Wir sind bedin­gungs­los gelieb­te Kin­der Got­tes, nicht mehr allein, getra­gen von sei­ner Lie­be. Wir dür­fen das aus­strah­len, ohne Hoch­mut, ein­fach indem wir leben, was wir emp­fan­gen haben und auch ler­nen, dar­über zu spre­chen. Genau das ist es, was unser Zeug­nis so wert­voll macht: Der Hand­wer­ker, der Arbeits­kol­le­ge, der Frem­de in unse­rem Haus – sie spü­ren in der Tie­fe ihres Her­zens die­se Sehn­sucht nach Gebor­gen­heit, nach Lie­be, nach Hoff­nung, viel­leicht wis­sen sie selbst noch gar nicht, wonach sie suchen. Unser Leben, unser Zeug­nis, kann ihnen einen ers­ten Blick auf die­se Wirk­lich­keit geben. Wir müs­sen kei­ne gro­ßen Reden hal­ten; oft reicht es, echt zu leben, freund­lich zu sein, ein offe­nes Ohr zu haben, ein Licht zu sein, das den Weg erhellt.

Fades Salz ist che­misch unmög­lich. Salz ver­liert sei­ne Wir­kung nur, wenn es ver­un­rei­nigt oder unbrauch­bar gemacht wird. Wenn wir uns anpas­sen, uns mit Mit­tel­mä­ßig­keit zufrie­den­ge­ben oder uns von der Welt läh­men las­sen, ver­lie­ren wir die Kraft unse­res Glau­bens. Manch­mal haben wir gemeint, Christ sein bedeu­tet, ein guter Mensch zu sein – das ist eine Strö­mung, die man Mora­lis­mus nennt und nichts mit der Fro­hen Bot­schaft zu tun hat. Wir tun zwar das Rich­ti­ge, aber das Evan­ge­li­um will mehr: Es macht uns nicht zu bes­se­ren, son­dern zu neu­en Men­schen! Auch der Rela­ti­vis­mus, die Vor­stel­lung, dass alles schluss­end­lich gleich oder egal ist und jeder sei­ne eige­ne Wahr­heit hat, ver­führt uns, uns zurück­zu­hal­ten. Doch die jun­gen Gene­ra­tio­nen seh­nen sich nach Wer­ten, nach Ori­en­tie­rung, nach ech­tem Glau­ben – alles Din­ge, die wir als Katho­li­ken eigent­lich anbie­ten könnten.

Viel­leicht ist der wich­tigs­te Schritt heu­te nicht, mehr zu tun, son­dern uns wie­der etwas zutrau­en zu las­sen. Gott traut uns mehr zu, als wir den­ken. Wir müs­sen nicht laut sein oder pom­pös auf­tre­ten. Aber wir kön­nen echt sein, sicht­bar und wirk­sam im All­tag, sei es in der Fami­lie, in der Schu­le, am Arbeits­platz oder im sozia­len Umfeld. Wo wol­len wir unse­ren Glau­ben die kom­men­de Woche sicht­bar machen? Nicht, weil wir müs­sen, son­dern weil die Welt unse­ren Glau­ben braucht und weil Gott uns zutraut, ihn zu leben.

Jesus ruft uns zu: Seid Salz und Licht. Seid nicht nur im Inne­ren, son­dern lasst das, was euch aus­macht, sicht­bar wer­den. Ein authen­ti­scher Glau­be wirkt immer, selbst wenn wir es nicht sehen oder bemer­ken. Es geht nicht um Per­fek­ti­on, son­dern um Treue, um das Ver­trau­en dar­auf, dass Gott durch uns wirkt. Wer wir sind, ent­fal­tet Wir­kung – sicht­bar, authen­tisch und vol­ler Leben. Und genau dar­in liegt unse­re Beru­fung und unser Auf­trag: zu sein, wer wir sind, und so die Welt ein wenig hel­ler und wür­zi­ger zu machen.

So betrach­tet ist Christ­sein kein müh­sa­mer Auf­trag, kei­ne Last, kei­ne Pflicht, die wir erfül­len müs­sen. Es ist ein Aus­druck des­sen, wer wir sind, und ein Geschenk, das wir der Welt wei­ter­ge­ben dür­fen. Wer wir sind, ent­fal­tet Wir­kung – sicht­bar, authen­tisch und vol­ler Leben. So kön­nen wir die Welt um uns her­um ein klei­nes Stück hel­ler, wär­mer und hoff­nungs­vol­ler machen.

Impuls: Sebas­ti­an Raber

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